Apollofalter – Krimi trifft Mosellandschaft
Es gibt Regionalkrimis, bei denen der Schauplatz austauschbar wirkt – und es gibt Bücher, in denen die Landschaft selbst zu einer Hauptfigur wird. Gabriele Keisers „Apollofalter“ gehört definitiv zur zweiten Kategorie.
Denn der erste Fall der Ermittlerin Franca Mazzari beginnt mit einem Mord in den steilen Weinbergen der Mosel. Die vierzehnjährige Hannah wird tot aufgefunden, zunächst scheint alles auf einen Unfall hinzudeuten. Doch die Obduktion zeigt: Das Mädchen wurde ermordet. Schnell gerät ein älterer Gast auf dem Weingut ihrer Familie in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Was zunächst wie ein klarer Fall erscheint, entwickelt sich allerdings zu einem verzwickten Kriminalfall, der den Leser bis zum Schluss rätseln lässt. Keiser entwickelt die Geschichte und die Figuren sorgfältig. Die Motive liegen nicht sofort offen, stattdessen schaut die Autorin genau hin: auf familiäre Beziehungen, menschliche Abgründe und darauf, wie sich Verhaltensweisen und Entscheidungen entwickeln. Das macht die Geschichte stellenweise ziemlich unbequem, aber eben auch sehr interessant.
Neben dem ausgefeilten Spannungsbogen entfaltet der Roman eine besondere Stärke vor allem dort, wo er die Mosel in den Blick rückt. Weinberge und Winzerhöfe bilden eine atmosphärische Kulisse. Im Mittelpunkt steht eine Besonderheit der Terrassenmosel, der Mosel-Apollofalter (Parnassius apollo vinningensis). Er zählt zu den bekanntesten und zugleich seltensten Bewohnern dieser Weinbergslandschaft: Mit seinen hellen, teilweise durchscheinenden Flügeln und den charakteristischen roten und schwarzen Flecken ist er unverwechselbar. Das untere Moseltal gehört zu den wenigen Gebieten Mitteleuropas, in denen die Art noch vorkommt.
Geschickt in die Handlung des Krimis eingewoben, erfährt der Leser viel über den erstaunlichen Nahrungsspezialisten, der auf die warmen, felsigen Hänge der Mosel angewiesen ist. Nur hier wächst seine Raupenpflanze, die Weiße Fetthenne. Ohne diese unscheinbare Pflanze kann sich der Apollofalter nicht vermehren. Gleichzeitig benötigen die erwachsenen Falter blütenreiche Wiesen und Waldsäume als Nahrungsquelle. Dieses empfindliche Zusammenspiel macht den Apollofalter zu einem Symbol für das fragile ökologische Gleichgewicht der Kulturlandschaft Mosel.

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Dass der Falter heute wieder verstärkt im Fokus steht, verleiht dem Roman eine unerwartete Aktualität. Trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen gilt die Art weiterhin als stark gefährdet. Verbuschende Steilhänge, der Verlust offener Felsbereiche und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln setzen dem Schmetterling zu. Aktuell wird sein Schutz an der Mosel intensiv diskutiert – eine Lösung zur Rettung der bedrohten Art zeichnet sich bislang jedoch noch nicht ab.
Fazit: Apollofalter Buch verbindet eine spannende Kriminalgeschichte mit einer liebevollen Beschreibung der Mosellandschaft und macht auf eine der faszinierendsten, aber zugleich bedrohtesten Tierarten Deutschlands aufmerksam. Wer Krimis mit authentischem Regionalbezug mag oder die Kulturlandschaft der Mosel liebt, findet in dem gelungenen Auftakt der Franca-Mazzari-Reihe eine perfekte Urlaubslektüre.
